Medien als willfährige Instrumente der Militärindustrie oder der “Militärisch-Industriell-Mediale Komplex”

Als der scheidende US-Präsident, Dwight D. Eisenhower, am 17. Januar 1961 seine Abschiedsadresse via TV an die Bürger der USA verkündete, sah er sich veranlasst eine deutliche und in seiner Wortwahl bedrohliche Warnung auszusprechen.

In the councils of government, we must guard against the acquisition of unwarranted influence, whether sought or unsought, by the military-industrial complex. The potential for the disastrous rise of misplaced power exists and will persist. We must never let the weight of this combination endanger our liberties or democratic processes. We should take nothing for granted. Only an alert and knowledgeable citizenry can compel the proper meshing of the huge industrial and military machinery of defense with our peaceful methods and goals, so that security and liberty may prosper together.

Wir in den Institutionen der Regierung müssen uns vor unbefugtem Einfluss – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – durch den militärisch-industriellen Komplex schützen. Das Potenzial für die katastrophale Zunahme fehlgeleiteter Kräfte ist vorhanden und wird weiterhin bestehen. Wir dürfen es nie zulassen, dass die Macht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unsere demokratischen Prozesse gefährdet. Wir sollten nichts als gegeben hinnehmen. Nur wachsame und informierte Bürger können das angemessene Vernetzen der gigantischen industriellen und militärischen Verteidigungsmaschinerie mit unseren friedlichen Methoden und Zielen erzwingen, so dass Sicherheit und Freiheit zusammen wachsen und gedeihen können.

(Quelle: wikipedia)

(YouTube: Rede Eisenhowers)

Diese Warnung Eisenhowers ist umso beachtlicher und es verleiht ihr zusätzliches Gewicht, wenn man in Betracht zieht, dass er ein hochdekorierter General des 2. Weltkriegs und somit selbst ein Mann des Militärs war. Seither sind über 50 Jahre vergangen und man muss davon ausgehen, dass dieser Machtkomplex, vor dem Eisenhower warnte, noch umfassender, noch mächtiger geworden ist.

Im Jahr 2005 schliesslich erweiterte Norman Solomon, US-amerikanischer Journalist und Friedensaktivist, diesen von Eisenhower geprägten Begriff um die wichtige Rolle der Medien:

The Military-Industrial-Media Complex

Why war is covered from the warriors’ perspective

One way or another, a military-industrial complex now extends to much of corporate media. In the process, firms with military ties routinely advertise in news outlets. Often, media magnates and people on the boards of large media-related corporations enjoy close links—financial and social—with the military industry and Washington’s foreign-policy establishment.

(Quelle: fair.org, 01.08.2005)

Freie Übersetzung :

Der Militärisch-Industriell-Mediale Komplex

Warum Medien über Kriege aus einer kriegerischen Perspektive heraus berichten

Auf die eine oder andere Art erstreckt sich nun ein Militärisch-Industrieller Komplex auf einen Großteil der unternehmensgeführten Medien. Als Teil dieses Prozesses: (ist festzustellen, dass) Firmen mit militärischen Verknüpfungen routinemäßig Werbeanzeigen in Nachrichtenagenturen schalten (können). Medienmogule und Leute in den Vorständen großer Medienunternehmen genießen enge Kontakte – finanzieller und sozialer Art – zur Militärindustrie und zu Washingtons außenpolitischem Establishment.

Solomons im Jahre 2005 publiziertes Buch “War Made Easy” wurde von den beiden Filmemachern Loretta Alper und Jeremy Earp in einen Dokumentarfilm mit Sean Penn als Erzähler umgesetzt. 2008 wurde vom WDR eine deutsche Fassung produziert und unter dem Titel “War Made Easy – Wenn Amerikas Präsidenten lügen” ausgestrahlt. 2012 wurde diese Version von “ZDF Info” gezeigt.


In diesem Film wird auch ein Audiomitschnitt eines Gesprächs des amerikanischen Präsidenten Richard Nixon mit Henry Kissinger gezeigt. Thema der Unterhaltung war die weitere Vorgehensweise im Vietnamkrieg:

Richard Nixon: “Wir sollten die Deiche bombardieren”

Henry Kissinger: “Dann würden 200.000 Menschen sterben”

Richard Nixon: “Ach so. Dann lieber die Atombombe.”

Henry Kissinger: “Also, ich denke das wäre zuviel.”

Richard Nixon: “Die Atombombe? Beunruhigt Sie das?”

Henry Kissinger:  (unverständlich)

Richard Nixon: “Herrgott Henry, Sie sollen im großen Stil denken!”

Das Grundthema, mit welchem sich Buch und Film auseinandersetzen, sind Unwahrheiten und Falschaussagen, die die verschiedenen US-Präsidenten über Jahrzehnte hinweg der amerikanischen Bevölkerung und der Weltöffentlichkeit vortrugen, um militärische Einsätze, sprich Kriege zu rechtfertigen. Daneben wird das Verhalten der Medien als unkritisch, regierungskonform und “eingebettet” kritisiert.

Auf folgender Grafik ist dargestellt, dass über 90% aller US-Medien (Radiosender, TV-Stationen und Zeitungen) in den Händen von 6 Konzernen liegen:

Media Consolidation - "The Illusion of choice"

(Quelle: businessinsider.com, 14.06.2012)

Die Daten dieser Graphik beziehen sich auf die Entwicklung von 1983 auf 2011. Zwischenzeitlich mögen die ein oder anderen Zeitungen, TV-Stationen und Radiosender weiterverkauft worden sein aber es ändert nichts an der grundsätzlichen Problematik der zunehmenden Machtkonzentration durch die Anhäufung verschiedener Medien durch wenige Konzerne. Wurden im Jahre 1983 90% der US-amerikanischen Medien von 50 Firmen gehalten, so waren es 2011 nur mehr 6 Konzerne:

  • GE   COMCAST, NBC, UNIVERSAL PICTURES, FORCUS FEATURES
  • NEWSGROUP   FOX, WALL STREET JOURNAL, NEW YORK POST
  • DISNEY   ABC, ESPN, PIXAR, MIRAMAX, MARVEL STUDIOS
  • VIACOM    MTV, NICK JR, BET, CMT, PARAMOUNT PICTURES
  • TIME WARNER   CNN, HBO, TIME, WARNER BROS
  • CBS   SHOWTIME, SMITHSONIAN CHANNEL, NFL.COM, JEOPARDY, 60 MINUTES

Viele Firmen sind über ihre Besitzverhältnisse auch mit Rüstungsbetrieben verbunden. Eine große und direkt erkennbare Rüstungssparte hat natürlich GE (General Electric) und es ist gewiss alles andere als abwegig anzunehmen, dass wirtschaftliche Interessen aus konzernnahen Bereichen die Berichterstattung in den angeschlossenen Medien beeinflussen.

Informationen zu den Besitzverhältnissen deutscher Medienhäuser und privater TV-Anstalten werde ich eventuell zu einem späteren Zeitpunkt nachreichen. Allein, die Vernetzungen einflussreicher deutscher Journalisten mit US-amerikanischen Think Tanks und transatlantischen Interessengruppen geben bereits mehr als ausreichend Anlass zur Besorgnis über die deutsche Medienlandschaft.

Uwe Krüger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig, hat 2013 seine Doktorarbeit unter folgendem Titel veröffentlicht:

Meinungsmacht
Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten
Eine kritische Netzwerkanalyse

Auszug aus einem Interview mit ihm:

Am auffälligsten war der Befund, dass vier leitende Journalisten

  • der “Süddeutschen Zeitung”,
  • der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”,
  • der “Welt” und
  • der “Zeit”

stark in US- und Nato-affinen Strukturen eingebunden waren.

(Quelle: heise/telepolis, 11.02.2013)

Hier ein Auszug aus einer Online-Rezension des Buches von Uwe Krüger:

“Zusammengefasst kann festgestellt werden, dass sich die deutsche Politik in einem ‘Korsett von Innen- und Bündnispolitik’ (GIESSMANN/WAGNER 2009: 6) bzw. einer unbequemen Sandwich-Position befindet: Von ‘oben’ macht die Nato mit der Führungsmacht USA Druck, dass Deutschland bei Kampfeinsätzen seinen Beitrag leisten solle, auch dann, wenn keine akuten deutschen Sicherheitsinteressen vorliegen; von ‘unten’ behindert ein Wahlvolk, das die Bundeswehr am liebsten als Landesverteidiger und Katastrophenhelfer sieht …

Daher ist zu vermuten, dass die vier Journalisten Kornelius, Frankenberger, Stürmer und Joffe in dem in Kap. 6.1.1 beschriebenen Sandwich Nato/USA – Bundesregierung/Bundestag – deutsche Bevölkerung eine Position zwischen Nato/USA und Bundesregierung/Bundestag einnehmen. Die Argumente in ihrem journalistischen Output dürften eine größere Nähe zu denen der Nato und der US-Regierung haben als zu Positionen, die aus Bevölkerungsumfragen und kritischen Beiträgen zum erweiterten Sicherheitsbegriff und zu Bundeswehrauslandseinsätzen bekannt sind. Wenn Kritik an der Bundesregierung oder der deutschen Politik geübt wird, dann aus der Perspektive von USA und Nato, nicht aus einer militärskeptischen Perspektive.

(Quelle: versoehnungsbund.de, 27.02.2014)

Dieser Sachverhalt wurde Ende April 2014 eindrücklich und anschaulich in der Kabarettsendung „Die Anstalt“ dargestellt.

(YouTube: Ausschnitt aus “Die Anstalt”, 29.04.2014).

Diese unbedingt sehenswerte Sendung hat nun zur Folge, dass die genannten Journalisten der ZEIT (Josef Joffe, Jochen Bittner) gerichtlich gegen das ZDF und gegen “Die Anstalt” vorgehen.

Insgesamt ist zu bedenken, dass es sich bei den untersuchten Zeitungen um sogenannte Leitmedien handelt, die in weiten Zügen den öffentlichen Diskurs vorgeben und große Strahlkraft auf kleinere Zeitungen ausüben, so dass diese häufig von den großen abschreiben, sofern sie nicht sofort und ungefiltert Agenturmeldungen veröffentlichen.

Was bleibt sonst?

DER SPIEGEL hat sich längst von seiner ruhmreichen und inspirierenden Vergangenheit als kritisches Nachrichtenmagazin gelöst. Dass nun mehr gar Nikolaus Blome, der stellvertretende Chefredakteur der BILD-„Zeitung“ in die Chefredaktion des SPIEGELS geholt wurde und auch dessen Hauptstadtbüro leitet, ist nur mehr das i-Tüpfelchen auf eine längst vollzogene Entwicklung der Boulevardisierung, inklusivem Einschwenk auf Elitenlinie (Außenpolitik: NATO-„affin“, Wirtschaftspolitik: die Interessen der Konzerne vertretend)

Die taz hat sich offensichtlich, wie die ihr aufs nächste stehende Partei „Die GRUENEN“, prächtig mit der Bundes-Atlantikbrücken-Republik arrangiert. Die Metamorphosen von taz und GRUENEN hin zu systemkompatiblen Objekten sind gewiss einen eigenen Beitrag wert, der vielleicht zu gegebener Zeit erfolgen wird.

Den Vogel abgeschossen zu haben im hiesigen, transatlantischen Blätterwald, dieses Privileg bleibt tatsächlich der taz vorbehalten:

Der Terroranschlag vom 11. September 2001 in den USA wurde umgehend zum Nato-Bündnisfall erklärt. Die toten Passagiere von MH17 vom 17. Juli 2014 verdienen ähnliche Solidarität.

(Quelle: taz.de, 21.07.2014)

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About valjean72

Ein Ostbayer in der Westschweiz Als gebürtiger und bekennender Oberpfälzer, der einst in Sachsen studierte, lebe ich nun mehr seit einigen Jahren im französischsprachigen Teil der Schweiz, in der Romandie. Ich hatte mich seinerzeit bewusst für diese Schweizer Region entschieden, da ich meine Französischkenntnisse auch beruflich anwenden und letztlich ausbauen wollte. Der Anlass zu diesem Blog lässt sich unschwer an meinen Beiträgen und auch am Gründungsdatum ablesen. Maßlos enttäuscht über die Berichterstattung in unseren etablierten Medien, Russland und die Ukraine betreffend - eine Berichterstattung, welche sich mir zunehmend als konzertiert propagandistisch darstellte - entschloss ich mich einen Blog anzulegen (dass meine Frau russisch spricht und vor nicht all zu langer Zeit ein Jahr auf der Krim verbrachte, hat sicherlich dazu beigetragen mich speziell für dieses Thema zu sensibilisieren). Der Hauptaspekt liegt für mich darin, alle Informationen und weiterführenden Links, die ich bisher für das Verfassen von Leserkommentaren (zumeist bei ZEIT-Online) im Internet fand, an einem Ort zu bündeln, um schnellen Zugriff darauf zu haben. Daneben ist es mir auch wichtig, dass mir nahestehende Menschen einen Einblick über Dinge bekommen, die mich bewegen und wie im Falle der Ukrainekrise auch von enormer Bedeutung für die zukünftige Entwicklung auf unserem Kontinent sind.

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