Archive | März 2014

Prinzipien der Kriegspropaganda nach Lord Ponsonby

Arthur Ponsonby (1871 – 1946), britischer Lord und Parlamentsmitglied, veröffentlichte im Jahr 1928 ein Buch unter dem Titel „Falsehood in War-Time: Propaganda Lies of the First World War“. Darin erläuterte und analysierte er zehn, von ihm festgelegte, „Prinzipien der Kriegspropaganda“, wie sie seiner Auffassung nach vor und während des ersten Weltkriegs, vor allen Dingen von Britischer Seite, angewandt wurden.

  1. Wir wollen den Krieg nicht
  2. Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung
  3. Der Führer des Gegners ist ein Teufel
  4. Wir kämpfen für eine gute Sache
  5. Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen
  6. Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich
  7. Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm
  8. Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache
  9. Unsere Mission ist heilig
  10. Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

(Quelle: deutschlandfunk.de)

Es ist durchaus verblüffend wie zeitlos diese zehn propagandistischen Grundsätze anmuten. Betrachtet man die hiesige Berichterstattung der letzten Jahre über Russland im allgemeinen und über Putin im speziellen, drängt sich der Verdacht auf, dass dieses Land und sein Präsident absichtlich und planmässig negativ dargestellt werden sollen.

Der Deutschlandfunk veröffentlichte in diesem Zusammenhang am 01. März 2013 ein Feature, in welchem herausgestellt wurde, dass die gängigen deutschen Medien in den letzten zehn Jahren über Russland grundsätzlich negativ berichteten, hingegen die USA, trotz vereinzelter Kritik, am Ende immer positiv abschnitten:

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(Quelle: deutschlandfunk.de, 01.03.2013 – „Zweierlei Maß?“ )

Auszug:

Die Objekte der Bild-Zeitung haben folgende grundsätzliche Haltung: Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Der Redakteur ist zur Einhaltung dieser Richtlinien verpflichtet.

Im Jahr 2008 verfasste Gorbatschow einen offenen Brief und wandte sich damit an seine „Freunde, die deutschen Journalisten …“:

Es entstehen Fragen und Unverständnis, wenn man sieht, WAS in Deutschland über Russland geschrieben wird und WIE es geschrieben wird.

Beim aufmerksamen Blick auf die Flut von Veröffentlichungen in Deutschland wird man jedoch schwer den Eindruck wieder los, als ob man es mit einer gezielten Kampagne zu tun hat, als ob alle aus einer einzigen Quelle schöpften, die eine Handvoll Thesen enthält (in Russland gebe es keine Demokratie; die Meinungsfreiheit werde unterdrückt; eine arglistige Energiepolitik werde durchgesetzt; die Machthaber drifteten immer weiter in Richtung Diktatur ab – und so weiter und so fort.) Diese Thesen werden in verschiedenen Tonarten wiederholt. Die Zeitungsmacher scheinen auch keinerlei Interessen jenseits dieser Aussagen zu haben.

(Quelle: deutschlandfunk.de, 01.03.2013 – „Zweierlei Maß?“ – Text )

Der Podcast ist auf der Seite des Deutschlanfunks nicht mehr abrufbar aber er ist bei Podcastpedia hinterlegt:

(Link: podcastpedia.org_deutschlandfunk_zweierlei_mass)

 

Nachfolgend ein paar Gedanken zu einzelnen „Prinzipien der Kriegspropaganda“:

2. Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung

Unter diesem Punkt ist gewiss der Spin einzuordnen, den die Massenmedien dem Konflikt um und in der Ukraine geben wollen, in dem sie nur mehr von einer „Krim-Krise“ oder einem „Krim-Konflikt“ sprechen, bzw. schreiben. Die Umstände der Machtergreifung in Kiew, tödliche Schüsse auf Aktivisten und Polizisten, die Rolle von „Swoboda“ und „Rechtem Sektor“, Die Geldflüsse zu umstürzlerischen Kräften seitens der USA und EU, die, gemäß der Ukrainischen Verfassung, ungültige Absetzung Janukowitschs und viele andere Ungereimtheiten werden nicht investigativ hinterfragt. Durch die sprachliche Reduzierung dieser Krise auf die Krim wird zugleich der vermeintlich Hauptschuldige klar ausgemacht: Putin, bzw. Russland.

(Nachtrag, 06. Sep. 2014: Seit diesem Blogbeitrag sind nun beinahe sechs Monate vergangen und mittlerweile spricht man in unseren offiziellen Nachrichten von einem Ukraine-Konflikt, schliesslich haben die – in Zusammenhang mit der von Kiew ausgerufenen Anti-Terror-Operation zur vermeintlichen „Befriedung“ der Ostukraine – Militäroperationen nichts mit der Krim zu tun. Allerdings wird in unseren Medien häufig die Abspaltung der Krim als ursächlich für diesen Konflikt angesehen, was natürlich schlicht unwahr ist.)

3. Der Führer des Gegners ist ein Teufel

Der Libyenintervention ging eine wochenlange, boulevardhafte Dämonisierung des Staatsführers voraus. Das gleiche Muster dann im Syrienkonflikt, in welchen Assad wahlweise als Schlächter (SPON, BILD, WELT etc.) oder mit Attributen wie brutal und hinterlistig (SPON) belegt wurde. Momentan ist es ruhig an dieser medialen Front, offenbar konzentrieren sich alle „journalistischen“ Kräfte auf Russland.

Bereits im Vorfeld der Olympischen Spiele in Sotschi war eine Frequenzerhöhung von Schmähartikeln gegenüber Russland und seinen Präsidenten auszumachen. Dabei war unter anderem auffällig die starke Einengung, Reduzierung russischer Politik und Interessen auf die Person Putin, einhergehend mit einer Dämonisierung des russischen Präsidenten.

„Putins Spiele“ (ARD, MERKUR, FAZ, ZDF)
„Putins Reich“ (ARD, WELT)
„Kalt, skrupellos – erfolgreich?“ (DER SPIEGEL, 16.12.2013)

Und ein wenig weiter zurückliegend:
„Herodes im Kreml“ (DER SPIEGEL, 31.12.2012)

In Zusammenhang mit der Krise in und um die Ukraine:
„Hausmeister Putins langer Atem“ (FAZ.net, 07.03.2014)
Auszug: „Wladimir Putin als diabolischer Hausmeister, so kann man ihn sich womöglich vorstellen“

„An Putins kalter Schulter“ (FAZ.net, 02.03.2014)
„Putins wahres Gesicht“ (FAZ.net, 02.03.2014)
„Putins gefährliche Wette“ (FAZ.net, 02.03.2014)

„Putin baut sich seine Welt“(sueddeutsche.de, 04.03.2014)
„Putin in der Krim-Krise – Ansichten eines Großmacht -Nostalgikers“(sueddeutsche.de, 04.03.2014)
„Putin muss beeindruckt werden“(sueddeutsche.de, 05.03.2014)
„Putins Propagandakampf“(sueddeutsche.de, 11.03.2014)

Hierzu passend, eine dem Internet entnommene Beschreibung zur propagandistischen Personifizierung von Gegnerschaften:

a) Personalisiere die Opposition!
b) Beschränke deine Kritik auf eine Person. Denn so hat dein
Gegner ein Gesicht!
c) Dann mache ihn lächerlich!
d) Hefte ihm negative Eigenschaften an!
e) Dämonisiere ihn!
f) Erfinde Geschichten und streue sie! (Unglaublicher Reichtum,
Eitelkeit, rassistische oder homophobe Eigenschaften)
g) Dann wenn ihn keiner mehr leiden kann, hat das Volk einen
Gegner!

10. Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

Hierunter sind gewiss die von den etablierten Medien verwendeten Begriffe Putinversteher, Putintrolle und russophile Trolle einzuordnen.

Verwandter Blogbeitrag:

Geopolitische Leitlinien der USA (Teil 1)

 

„F**k the EU!“ oder die Bedeutung von Themensetzung und Diskurslenkung in den Leitmedien am Beispiel des Ukrainekonflikts

In unseren auf NATO-Linie getrimmten Medien wurde naturgemäß wenig bis gar nicht darüber berichtet. Allerdings, neben dem Vulgärzitat von „Madame“ Nuland, war in dem Anfang Februar abgehörten Gespräch – mit dem US-Botschafter in Kiew, Geoffrey R. Pyatt – doch vor allen Dingen aufschlussreich, mit welcher ungenierten Selbstverständlichkeit US-Diplomaten berieten, wen sie denn in Schlüsselposition einer neuen Regierung eines unabhängigen Landes zu hieven gedenken.

Nuland: Good. I don’t think Klitsch should go into the government. I don’t think it’s a good idea.

Pyatt: Yeah. I guess […]

Nuland: (Breaks in) I think Yats is the guy that who’s got the economic experience the governing experience he’s the… what he needs is Klitsch and Tiahnybok (Oleh, leader of a nationalist party who has been pushing confrontation with the Ukrainian government) on the outside he needs to be talking to them four times a week you know. I just think Klitch going in he’s going to be at that level working for Yatsenyuk it’s just not going to work.

[…]

Pyatt: No, exactly. And I think we’ve got to do something to make it stick together because you can be pretty sure that if it does start to gain altitude that the Russians will working behind the scenes to try to torpedo it… So let me work on Klitschko and if you can just keep… we want to try to get somebody with an international personality to come out here and help to midwife this thing.

(Quelle: www.csmonitor.com)

Der abfällige, auf die EU gemünzte, Ausspruch Nulands wurde lang und breit in unseren Medien thematisiert und teilweise auch für andere Themen übernommen (z.B. als Titel eines Kommentars zum Schweizer Volksentscheid auf ZEIT-Online). Der irritierende Sachverhalt der offenbar gewordenen US-amerikanischen Einflussnahme wurde hingegen nicht journalistisch beleuchtet.

Zudem wurde öffentlich, dass die USA große Summen in ihnen zugeneigte Kräfte, bzw. auch in von ihnen erst geschaffene Strukturen investiert haben, um einen Regierungswechsel durchzusetzen.

As Assistant Secretary of State Victoria Nuland made clear in her speech last December and in the leaked recording of her telephone conversation with the US ambassador in Kiev, Washington spent $5 billion of US taxpayer dollars engineering a coup in Ukraine that overthrew the elected democratic government.

(Quelle: www.paulcraigroberts.org)

Schließlich wurde Jazenjuk (englische Transkription: Yatsenyuk), wie von Frau Nuland gewünscht, Ministerpräsident der ukrainischen Übergangsregierung. Auf der Homepage seiner Stiftung, der Yatsenyuk Foundation, sind neben anderen Sponsoren, folgende Institutionen als Partner aufgelistet:

  • NATO
  • NED (National Endowment for „Democracy“)
  • US Department of State (das Außenministerium der Vereinigten Staaten)
  • German Marshall Fund of the United States
Official partners of the  Yatsenjuk foundation

Official partners of the Yatsenjuk foundation

(Quelle: http://openukraine.org/en/about/partners)

Man muss davon ausgehen, dass die europäischen Regierungen, also auch die deutsche, über all diese Vorgänge und Verflechtungen in Kenntnis sind. Warum also schweigt unsere Regierung? Ist dieses Schweigen als Einverständnis zu deuten? Und warum werden diese Sachverhalte nicht in unseren Leitmedien thematisiert?

Unsere Regierung hat offensichtlich über die Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Hofieren Klitschkos, wenn auch mit einer abweichenden Agenda, an der Destabilisierung der Ukraine mitgewirkt.

Nachtrag:

Der im Juni 2014 gewählte Staatspräsident der Ukraine wiederum, Petro Poroschenko, wurde in einer auf wikileaks veröffentlichten Depesche der US-Botschaft in Kiew vom 28. April 2006 als „Our Ukranian (OU) Insider“ (Unser Ukrainischer Insider) bezeichnet.

US cable on Poroshenko, 28.04.2006 (wikileaks)

US cable on Poroshenko, 28.04.2006 (wikileaks)

(Quelle: wikileaks 06KIEV1706_a)

Putin hat besonnen und richtig gehandelt

Meiner Einschätzung nach hat der russische Präsident besonnen und richtig gehandelt. Die Verlautbarungsorgane des ach so freien Westens können noch so laut zetern, Putin dämonisieren oder ihm Realitätsverlust attestieren, durch den Aufmarsch russischer Truppen an der ukrainischen Grenze und die Befriedung der Krim durch pro-russische Kräfte wurde die Lunte vom Pulverfass genommen und die Möglichkeit einer Eskalation nach jugoslawischem Vorbild minimiert.

Den Russland zugewandten Ostukrainern wurde somit gezeigt, dass sie ruhig Blut bewahren können und auch sollen, da im Falle eines Übergriffs von westukrainischen Verbänden von „Swoboda“ und „Rechtem Sektor“ die Russische Armee sofort zur Seite stünde. Den Swoboda-Leuten wurde deutlich gemacht, dass Russland keinesfalls dulden wird, wenn diese Leute ihr Unwesen auch in der Ostukraine treiben wollen.

Man muss sich vergegenwärtigen, dass in solch einer erhitzten Atmosphäre ein kleiner Zwischenfall ausreichen kann um Emotionen auf beiden Seiten hochkochen zu lassen und eine Spirale von Gewalt und Gegengewalt auszulösen. Diese Gefahr wurde durch das entschiedene Vorgehen Russlands zumindest eingedämmt, davon bin ich überzeugt.

In diesem Zusammenhang verweise ich auf einen Artikel von Willy Wimmer (CDU), der unter Bundeskanzler Helmut Kohl Staatssekretär im Bundesverteidigungministerium war.

Willy Wimmer, „Count-Down zum Krieg?“, 02.03.2014

 

 

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