„F**k the EU!“ oder die Bedeutung von Themensetzung und Diskurslenkung in den Leitmedien am Beispiel des Ukrainekonflikts

In unseren auf NATO-Linie getrimmten Medien wurde naturgemäß wenig bis gar nicht darüber berichtet. Allerdings, neben dem Vulgärzitat von „Madame“ Nuland, war in dem Anfang Februar abgehörten Gespräch – mit dem US-Botschafter in Kiew, Geoffrey R. Pyatt – doch vor allen Dingen aufschlussreich, mit welcher ungenierten Selbstverständlichkeit US-Diplomaten berieten, wen sie denn in Schlüsselposition einer neuen Regierung eines unabhängigen Landes zu hieven gedenken.

Nuland: Good. I don’t think Klitsch should go into the government. I don’t think it’s a good idea.

Pyatt: Yeah. I guess […]

Nuland: (Breaks in) I think Yats is the guy that who’s got the economic experience the governing experience he’s the… what he needs is Klitsch and Tiahnybok (Oleh, leader of a nationalist party who has been pushing confrontation with the Ukrainian government) on the outside he needs to be talking to them four times a week you know. I just think Klitch going in he’s going to be at that level working for Yatsenyuk it’s just not going to work.

[…]

Pyatt: No, exactly. And I think we’ve got to do something to make it stick together because you can be pretty sure that if it does start to gain altitude that the Russians will working behind the scenes to try to torpedo it… So let me work on Klitschko and if you can just keep… we want to try to get somebody with an international personality to come out here and help to midwife this thing.

(Quelle: www.csmonitor.com)

Der abfällige, auf die EU gemünzte, Ausspruch Nulands wurde lang und breit in unseren Medien thematisiert und teilweise auch für andere Themen übernommen (z.B. als Titel eines Kommentars zum Schweizer Volksentscheid auf ZEIT-Online). Der irritierende Sachverhalt der offenbar gewordenen US-amerikanischen Einflussnahme wurde hingegen nicht journalistisch beleuchtet.

Zudem wurde öffentlich, dass die USA große Summen in ihnen zugeneigte Kräfte, bzw. auch in von ihnen erst geschaffene Strukturen investiert haben, um einen Regierungswechsel durchzusetzen.

As Assistant Secretary of State Victoria Nuland made clear in her speech last December and in the leaked recording of her telephone conversation with the US ambassador in Kiev, Washington spent $5 billion of US taxpayer dollars engineering a coup in Ukraine that overthrew the elected democratic government.

(Quelle: www.paulcraigroberts.org)

Schließlich wurde Jazenjuk (englische Transkription: Yatsenyuk), wie von Frau Nuland gewünscht, Ministerpräsident der ukrainischen Übergangsregierung. Auf der Homepage seiner Stiftung, der Yatsenyuk Foundation, sind neben anderen Sponsoren, folgende Institutionen als Partner aufgelistet:

  • NATO
  • NED (National Endowment for „Democracy“)
  • US Department of State (das Außenministerium der Vereinigten Staaten)
  • German Marshall Fund of the United States
Official partners of the  Yatsenjuk foundation

Official partners of the Yatsenjuk foundation

(Quelle: http://openukraine.org/en/about/partners)

Man muss davon ausgehen, dass die europäischen Regierungen, also auch die deutsche, über all diese Vorgänge und Verflechtungen in Kenntnis sind. Warum also schweigt unsere Regierung? Ist dieses Schweigen als Einverständnis zu deuten? Und warum werden diese Sachverhalte nicht in unseren Leitmedien thematisiert?

Unsere Regierung hat offensichtlich über die Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Hofieren Klitschkos, wenn auch mit einer abweichenden Agenda, an der Destabilisierung der Ukraine mitgewirkt.

Nachtrag:

Der im Juni 2014 gewählte Staatspräsident der Ukraine wiederum, Petro Poroschenko, wurde in einer auf wikileaks veröffentlichten Depesche der US-Botschaft in Kiew vom 28. April 2006 als „Our Ukranian (OU) Insider“ (Unser Ukrainischer Insider) bezeichnet.

US cable on Poroshenko, 28.04.2006 (wikileaks)

US cable on Poroshenko, 28.04.2006 (wikileaks)

(Quelle: wikileaks 06KIEV1706_a)

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About valjean72

Ein Ostbayer in der Westschweiz Als gebürtiger und bekennender Oberpfälzer, der einst in Sachsen studierte, lebe ich nun mehr seit einigen Jahren im französischsprachigen Teil der Schweiz, in der Romandie. Ich hatte mich seinerzeit bewusst für diese Schweizer Region entschieden, da ich meine Französischkenntnisse auch beruflich anwenden und letztlich ausbauen wollte. Der Anlass zu diesem Blog lässt sich unschwer an meinen Beiträgen und auch am Gründungsdatum ablesen. Maßlos enttäuscht über die Berichterstattung in unseren etablierten Medien, Russland und die Ukraine betreffend - eine Berichterstattung, welche sich mir zunehmend als konzertiert propagandistisch darstellte - entschloss ich mich einen Blog anzulegen (dass meine Frau russisch spricht und vor nicht all zu langer Zeit ein Jahr auf der Krim verbrachte, hat sicherlich dazu beigetragen mich speziell für dieses Thema zu sensibilisieren). Der Hauptaspekt liegt für mich darin, alle Informationen und weiterführenden Links, die ich bisher für das Verfassen von Leserkommentaren (zumeist bei ZEIT-Online) im Internet fand, an einem Ort zu bündeln, um schnellen Zugriff darauf zu haben. Daneben ist es mir auch wichtig, dass mir nahestehende Menschen einen Einblick über Dinge bekommen, die mich bewegen und wie im Falle der Ukrainekrise auch von enormer Bedeutung für die zukünftige Entwicklung auf unserem Kontinent sind.

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