Willy Wimmer

Im nachfolgenden Beitrag werde ich einen Menschen vorstellen, eine wichtige Persönlichkeit des politischen Deutschlands, sowohl der alten Bonner Republik als auch – zumindest bis zu den Jahren nach der Jahrtausendwende – der Berliner Republik.

Es handelt sich hierbei um Willy Wimmer, der in seiner politischen Laufbahn verschiedene und wichtige Ämter im Bereich der Außen- und Verteidigungspolitik innehatte.

Durch seine politischen Tätigkeiten und den damit verbundenen Einsichten erachte ich ihn für enorm wichtig, in der – für den Fortbestand unserer Demokratie – essentiellen Auseinandersetzung mit den etablierten (in dieser Thematik de facto “gleichgeschalteten”) Massenmedien um die Deutungshoheit in außenpolitischen Fragen.

Nebenbei dient dieser Artikel wiederum für mich als zentraler Speicherort für interessante Dokumente und Links.

Willy Wimmer, Jahrgang 1943, ist ein rheinischer Christdemokrat und war von 1976 bis 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages. Zwischen 1985 und 1992 war er erst verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU- Bundestagsfraktion und anschließend Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Von Juli 1994 bis Juli 2000 war er Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Es dürfte jedem einleuchten, dass ein Mann mit dieser Vita schlechterdings als Spinner, Verschwörungstheoretiker oder Aluhutträger abgetan werden kann. Da dies eben nicht möglich ist, kommt Willy Wimmer in den, auf NATO-Linie getrimmten Medien, schlichtweg nicht zu Wort.

Folgende Beschreibung zweier wichtiger Etappen in Wimmers Friedensengagement sind von Dirk Müllers Seite cashkurs.com übernommen:

Jugoslawien

1999 sprach er sich gegen den Kosovo-Krieg aufgrund der Ansicht aus, dass es sich um einen ordinären Angriffskrieg handelte. Unter anderem erhob er schwere Vorwürfe gegen den damaligen Bundesaußenminister Joschka Fischer sowie Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping, denen er schwerwiegende Manipulation vorwarf.

Irak

2003 zog er gemeinsam abermals zusammen mit Peter Gauweiler in einem offenen Brief an die CDU/CSU-Bundestagsfraktion Parallelen zwischen dem Jugoslawien- und dem Irak-Krieg. Danach wurden „sowohl die Intervention der USA im Irak als auch die Bombardierung Jugoslawiens und seiner Hauptstadt Belgrad durch die NATO ohne ein Mandat der UNO“ ausgestattet. Vor dem Hintergrund der deutschen Völkerrechtslehre sei dieser Aspekt zutreffend und mit Nachdruck als völkerrechtswidrig bewertet worden. Im Irak-Krieg sei die Weltöffentlichkeit mit Unwahrheiten bedient worden.

(Quelle: cashkurs.com, „Über Willy Wimmer“)

Übersicht über die im Beitrag verlinkten Dokumente, Video- und Audiointerviews:

1. Brief an Gerhard Schröder (2. Mai 2000)

2. Video-Interview auf KenFM.de (22. März 2014)

3. Video-Interview auf KenFM.de (9. Juni 2014)

4. Vortrag und Podiumsdiskussion auf den Pleisweiler Gesprächen (24. Juni 2014)

5. Audio-Interview mit dem deutschsprachigen Radio Teheran (3. August 2014)

Vor ein paar Jahren stieß ich im Internet zufällig auf einen Brief Willy Wimmers an den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder aus dem Jahr 2000. Im Anschluss einer vom US-Aussenministerium anberaumten Konferenz in Bratislava, formulierte er an den Bundeskanzler seine Besorgnis, resultierend aus unverblümten Äußerungen von hochrangigen US-Aussenpolitikern. Seinerzeit gab ich diesem Brief wenig Beachtung, außer dass ich Respekt empfand für einen aufrechten CDU-Politiker, der sich nicht scheute US-amerikanische Aussenpolitik öffentlich kritisch zu beurteilen (damals war ich noch in der irrigen Annahme gefangen, Grüne Politiker würden sich vorbehaltlos für den Frieden einsetzen und CDU-Politiker wären insgesamt leichter für Militäreinsätze zu begeistern).

Durch die Zuspitzung im Konflikt um die Ukraine und meine damit verbundene Recherche nach seriösen, aufrichtigen Einschätzungen und Beurteilungen, kam ich wieder mit dem Namen Willy Wimmer in Berührung und schliesslich auch mit besagtem veröffentlichten Brief.

1. Brief an Gerhard Schröder (2. Mai 2000)

Auszug:

3. Die europäische Rechtsordnung sei für die Umsetzung von

NATO-Überlegungen hinderlich. Dafür sei die amerikanische

Rechtsordnung auch bei der Anwendung in Europa geeigneter…

4. Der Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien sei geführt worden, um eine Fehlentscheidung von General Eisenhower aus dem 2. Weltkrieg zu revidieren. Eine Stationierung von US-Soldaten habe aus strategischen Gründen dort nachgeholt werden müssen…

11. Die Feststellung stieß nicht auf Widerspruch, nach der die

NATO bei dem Angriff gegen die Bundesrepublik Jugoslawien gegen jede internationale Regel und vor allem einschlägige Bestimmungen des Völkerrechts verstoßen habe…

Nach dieser sehr freimütig verlaufenen Veranstaltung kommt man in Anbetracht der Teilnehmer und der Veranstalter nicht umhin, eine Bewertung der Aussagen auf dieser Konferenz vorzunehmen.

Die amerikanische Seite scheint im globalen Kontext und zur Durchsetzung ihrer Ziele bewusst und gewollt die als Ergebnis von 2 Kriegen im letzten Jahrhundert entwickelte internationale Rechtsordnung aushebeln zu wollen. Macht soll Recht vorgehen. Wo internationales Recht im Wege steht, wird es beseitigt. Als eine ähnliche Entwicklung den Völkerbund traf, war der Zweite Weltkrieg nicht mehr fern. Ein Denken, das die eigenen Interessen so absolut sieht, kann nur totalitär genannt werden.

Und hier der gesamte Brief in der Originalversion:

2000-05-02 wimmer_an_schröder - cashkurs1 - zusammengefügt farbe

(Quelle: cashkurs.com)

 

2. Video-Interview auf KenFM.de (22. März 2014)

Im März 2014 wurde Willy Wimmer von Ken Jebsen interviewt. Wimmer konnte hier in Ruhe und in einer, von den etablierten Medien mittlerweile nicht mehr gewohnten Ausführlichkeit, seine kritischen Schlussfolgerungen bezüglich der US-amerikanisch dominierten Aussenpolitik des sogenannten „Westens“ darlegen.

Als interessanter Einstieg beginnt dieses Interview mit Wimmers Einschätzung, dass die USA gewissermaßen als Nachfolger des Britischen Imperiums auch dessen geopolitische Leitlinien übernommen hätten. So wie die Briten nach 1815, dem Sieg gegen das Frankreich Napoleons, kein Interesse gehabt haben, dass zwischen den europäischen Kontinentalmächten zu viel Kooperation besteht, so hätten auch die USA ab Mitte der 1990er Jahre weiterführende Kooperationsinitiativen auf dem Eurasischen Kontinent bewusst verhindert.

Ab Minute 08:20 spricht Wimmer davon, dass die Amerikaner ab 1993 ihre Vorstellungen des Kapitalismus über Europa gestülpt haben und deutsche Christdemokraten, die in den internationalen Zusammenkünften das deutsche Modell der sozialen Marktwirtschaft hochhielten, als Kommunisten abgekanzelt wurden.

Ab Minute 35:45

Die Amerikaner haben sich als Sieger des Dritten Weltkrieges gesehen und die Russen als Verlierer behandelt und nicht als Partner. Die russische Wirtschaft wurde aufgrund amerikanischer Ratschläge in den 1990er Jahren „unters Eis gedrückt“. 2005-2007 sollte das russische Erdgas- und Erdölpotential nach New York ausgeliefert werden und das ist verbunden mit dem Namen: Chodorkowski: „Die Russen haben lange zugewartet aber sie haben sehen müssen, dass aus dem Westen für sie nichts Gutes kam“

Ab Minute 50:30

Bei einer 14-tägigen Stabsrahmenübung der NATO Ende der 1980er Jahre, wurden auch Atombombenangriffe auf Potsdam und Dresden „durchgespielt“. Bundeskanzler Kohl und Willy Wimmer haben daraufhin diese Übung verlassen.

3. Video-Interview auf KenFM.de (9. Juni 2014)

Am 9. Juni wurde auf KenFm ein weiteres Interview mit Willy Wimmer veröffentlicht

4. Vortrag und Podiumsdiskussion auf den Pleisweiler Gesprächen (24. Juni 2014)

Bei den von Albrecht Müller initiierten und jährlich stattfindenden Pleisweiler Gesprächen, war dieses Jahr Willy Wimmer als Redner eingeladen. (Albrecht Müller war Planungschef im Bundeskanzleramt unter den Bundeskanzlern Brandt und Schmidt. Weiter war er von 1987 bis 1994 für die SPD Mitglied des Deutschen Bundestages und ist seit 2003 als Autor und Herausgeber der NachDenkSeiten tätig)

Der Vortrag Wimmers sowie eine anschliessende Podiumsdiskussion sind auf den NachDenkSeiten hinterlegt:

Link: nachdenkseiten.de, 24.06.2014

5. Audio-Interview auf Radio Teheran (3. August 2014)

Anfang August gab Wimmer Radio Teheran ein Telefoninterview in deutscher Sprache. Themen: seit über 100 Jahren Krieg im Nahen Osten, US-Aussenpolitik, Ukrainekonflikt …

Minute 01:30

„…, dann müssen wir vermutlich dazu kommen die gesamte amerikanische und englische Politik seit Anfang des 20. Jahrhunderts neu zu bewerten.“

Minute 02:45

„…, dann haben Mitte der 90er Jahre die Vereinigten Staaten sich entschieden von allen Konferenzprojekten, die auf Verständigung ausgerichtet waren, Abstand zu nehmen“

Minute 03:50

„Das ist die Konsequenz einer amerikanischen Politik die auf das Ausgreifen nur mit militärischen Mitteln gesetzt hat… „Diese militärische Komponente wird jetzt ausgespielt und da spielen Opfer offensichtlich keine Rolle.“

Minute 04:50

„Ich würde es nicht ausschließen wollen, dass die Vereinigten Staaten aus ihrer Insellage heraus … eine Neubewertung ihrer Politik vorgenommen haben. Unter dem Gesichtspunkt: in einer Welt, die von Zusammenarbeit und dem friedlichen Beilegen von Konflikten bestimmt ist, … in einer solchen Welt haben die Vereinigten Staaten nicht die Chance ihren Militärapparat auszuspielen und sie haben möglicherweise auch nicht die Chance ihre heutige Rolle insgesamt zu wahren.“

Minute 13:22

(auf die Frage, warum die Europäer die verhängnisvolle US-Politik die Ukraine betreffend und darüber hinaus mitmachen): „Weil sie den Amerikanern gegenüber kein Rückgrat haben!“

Link: Iran German Radio, 03.08.2014

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About valjean72

Ein Ostbayer in der Westschweiz Als gebürtiger und bekennender Oberpfälzer, der einst in Sachsen studierte, lebe ich nun mehr seit einigen Jahren im französischsprachigen Teil der Schweiz, in der Romandie. Ich hatte mich seinerzeit bewusst für diese Schweizer Region entschieden, da ich meine Französischkenntnisse auch beruflich anwenden und letztlich ausbauen wollte. Der Anlass zu diesem Blog lässt sich unschwer an meinen Beiträgen und auch am Gründungsdatum ablesen. Maßlos enttäuscht über die Berichterstattung in unseren etablierten Medien, Russland und die Ukraine betreffend - eine Berichterstattung, welche sich mir zunehmend als konzertiert propagandistisch darstellte - entschloss ich mich einen Blog anzulegen (dass meine Frau russisch spricht und vor nicht all zu langer Zeit ein Jahr auf der Krim verbrachte, hat sicherlich dazu beigetragen mich speziell für dieses Thema zu sensibilisieren). Der Hauptaspekt liegt für mich darin, alle Informationen und weiterführenden Links, die ich bisher für das Verfassen von Leserkommentaren (zumeist bei ZEIT-Online) im Internet fand, an einem Ort zu bündeln, um schnellen Zugriff darauf zu haben. Daneben ist es mir auch wichtig, dass mir nahestehende Menschen einen Einblick über Dinge bekommen, die mich bewegen und wie im Falle der Ukrainekrise auch von enormer Bedeutung für die zukünftige Entwicklung auf unserem Kontinent sind.

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  1. Geopolitische Leitlinien der USA | valjean72 - 10. September 2014

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