Der „Eurovision Song Contest 2016“ im Zeichen politischer Einflussnahme

Gestern wurde er wieder zelebriert, der alljährliche Stumpfsinn in Form eines europäischen Liederwettbewerbes.

Dieses Jahr trug die Ukraine den Titel davon:

spiegel.de jamala

(Quelle: spiegel.de; 15.05.2016)

 

Zweifelos eine politisch motivierte Entscheidung, wie auch folgende Passage aus dem Spiegel-Artikel meines Erachtens ungewollt offenlegt.

spiegel.de jamala 2

(Quelle: spiegel.de; 15.05.2016)

 

Weder wurde die Krim im jahr 2014 annektiert, noch kam es zu Vertreibungen. Der Schreiberling macht sich auch gar nicht die Mühe irgendwelche Belege – und seien sie noch so hanebüchen – für diese harschen Aussagen anzuführen. Es reicht Behauptungen einfach in den Raum zu stellen, diese immer wieder bei passender oder auch unpassender Gelegenheit zu wiederholen.

Steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein und durch zähes Wiederholen der angeblichen russischen Missetaten wird schon etwas beim Publikum hängenbleiben. So das Kalkül der Meinungsmacher in den hiesigen Massenmedien.

Dass Stalin Georgier und kein Russe war und die Vertreibung der Krimtataren im Kriegsjahr 1944 keinen russisch-völkischen oder nationalistischen Hintergund hatte, wissen wohl die wenigsten Nachrichtenkosumenten von ARD, ZDF, RTL, SPIEGEL, BILD und Konsorten.

Ebenso die historische Tatsache, dass die Krim schon bei der Gründung der Sowjetunion  im Jahr 1917 zur Russischen und nicht zur Ukrainischen Sowjetrepublik gehörte.

Es war schliesslich der in der Ukraine aufgewachsene „Halbukrainer“ Nikita Chruschtschow, der die Krim 1954 per Federstrich von der Russischen in die Ukrainische Sowjetrepublik translozierte. Anlass war das 300-jährige Jubiläum des Vertrags von Perejaslaw von 1654, in dessen Rahmen sich der von Polen bedrängte ukrainische Kosakenstaat dem Schutz des russischen Zaren unterstellt hatte.

(Mehr zur Bedeutung der Krim für Russland und zu den Begehrlichkeiten der USA hatte ich hier beschrieben: Link)

Interessant ist nun, dass das Lied des russischen Teilnehmers bei den per Telefon abgegebenen Stimmen – sprich in der Publikumsgunst –  an erster Stelle lag aber bei der Abstimmung der Jurys der jeweiligen Länder einen abgeschlagenen, hinteren Platz belegte. So kommt selbst der SPIEGEL nicht umhin folgendes Statement abzugeben:

Nur Russlands Sergey Lazarev hatte noch besser bei den Fernsehzuschauern abgeschnitten – aber sein mit viel Animationsaufwand aufgepeppter Simpel-Popsong „You Are the Only One“ war nach den Jurystimmen schon zu weit abgeschlagen, um den Eurovision Song Contest 2016 zu gewinnen.

(Quelle: spiegel.de; 15.05.2016)

 

Betrachten wir nun die Punktevergaben von 19 Ländern für den russischen Beitrag. Nachfolgend eine Gegenüberstellung der Resultate (Punkte) aus dem Telefon-Voting der Zuschauer und der Jury-Entscheidung:

Stimmen für Russland 19 von 26 Länder

Punktevergabe von 19 von insgesamt 26 Ländern an Russland: Telefonwahl versus Jurystimmen (Datenquelle: eurovisionworld.com)

 

Die Zuschauerstimmen dieser 19  Länder ergaben insgesamt 174 Punkte für den russischen Beitrag und damit unangefochten den ersten Platz.

Das Ergebnis der Jury-Entscheidungen derselben 19 Länder zusammen genommen ergab sage und schreibe  3 (in Worten: d r e i ) Punkte und damit einen Platz ganz am Ende des Classements für Russland. Im Endergebnis, welches aus der Summe der Zuschauerabstimmungen per Telefon und den Jury-Entscheidungen gebildet wurde, reichte es für Russland immerhin zum 3. Platz.

Die Zuschauer in Estland, Deutschland und in der Ukraine verliehen dem Beitrag Russlands beispielsweise jeweils 12 Punkte. Die Jurys dieser Länder gaben Russland nicht einen Punkt.

 

 

Auch in Ländern ohne einer russischsprachigen Minderheit vergaben die Zuschauer hohe Punktezahlen, die Jurys hingegen 0 Punkte an den russischen Beitrag.

 

 

Diese Zusammenstellung spricht für sich und verdeutlicht das Ausmass, mit welchem hier politisch motiviert eingeriffen wird.

Interessant und aufschlussreich ist auch die Diskrepanz diesbezüglich in Deutschland.

Stimmenvergabe aus Deutschland

Stimmen_aus_Deutschland_Zuschauer_und_Jury

Stimmen aus Deutschland: Telefonwahl versus Juryententscheidung (Datenquelle: eurovisionworld.com)

 

Der israelische Beitrag von Hovy Star räumte bei der deutschen Jury die volle Punktezahl ab, wurde aber beim deutschen Telefon-Voting mit keinem einzigen Punkt berücksichtigt. Genau anders herum verhielt es sich mit dem russischen Lied. Diese drastische Abweichung ist mehr als auffällig.

israel-2016-hovi-star

Hovi Star (Quelle: www.israel21c.org)

 

Gemäss seines Wikipedia-Eintrages lebt der Israeli Hovi Star offen homosexuell und hatte vor einem Monat ein homophobes Erlebnis am Moskauer Flughafen. Russische Polizeioffiziere hätten seinen Reisepass kontrolliert und sich über ihn aufgrund seines Make-Ups lustig gemacht:

Hovi Star_wikipedia

(Quelle: wikipedia)

 

Als ich auf der offiziellen Seite des ESC die Stimmabgaben nach dem Begriff „Russland“ filtern wollte, erschien folgendes Störungsbild in meinem Browser:

 

Der Kopf mit der herausgestreckten Zunge gehört zum ukrainischen Travestiekünstler Andrej Mychajlowytsch Danylko, der unter dem Pseudonym Verka Serduchka 2007 am ESC teil nahm.

Ukraineeurovision2007_Verka Serduchka

Verka Serduchka, ESC 2007 (Quelle: wikipedia)

 

Verka_wikipedia

(Quelle: wikipedia)

 

Nachfolgend eine Aufnahme, die ein Treffen Verka Serduchkas mit der transsexuellen, israelischen Künstlerin Dana International zeigt.

Dana_International_meets_Verka_Serduchka_in_Belgrade,_2008

Verka Serduchka mit Dana International, 2008 in Belgrad (Quelle: wikipedia)

 

Danat International_wikipedia

(Quelle: wikipedia)

 

Asl vor zwei Jahren Conchita Wurst den ESC gewann, gab es viele Stimmen in unseren etablierten Medien, die hierin einen Sieg des westlichen und vorgeblich toleranten Gesellschaftsmodells gegenüber dem vermeintlich rückständigen Russland sahen.

Freilich um gleich wieder daraus weitere Munition zu schöpfen gegen das Böse im Osten anzuschreiben und daraus rüstungspolitisches und militaristisches Kapital zu schlagen.

 

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(Quelle: spiegel.de; 20.05.2014)

 

Als bemerkenswerten Nebenaspekt gilt es noch festzuhalten, dass Australien die meisten Punkte aus der Vergabe der Juryentscheidungen auf sich vereinte. Wenn schon Australien bei diesem europäischen Liedercontest dabei sein kann, warum nicht auch Neuseeland, Kanada oder gar die USA?

Der US-Popkünstler Justin Timberlake hatte dieses Mal immerhin schon einen Gastauftritt …

Ein zugespitztes Fazit:

Die Stimmenvergaben beim ESC zeigen zunehmend unverblümt die ungenierte politische Einflussnahme und das Durchdrücken von politischen Agenden. Gemäss der aussenpolitischen Agenda werden Länder benachteiligt und journalistisch diffamiert, die sich dem globalen Hegemonialanspruch des Westens entgegenstellen, allen voran natürlich Russland.

Gesellschaftspolitisch wird beim europäischen Sangeswettbewerb das klassische Geschlechterbild zurückgedrängt, wie es dem verquasten Zeitgeist bestimmter Eliten in USA und EU entspricht.

Die vorgetragenen Lieder werden beinahe ausnahmslos auf Englisch vorgetragen, allesamt mit geringem künstlerischem Anspruch. Dies ist meines Erachtens bereits eine Blaupause dafür, wie sich besagte Eliten offenbar ein Zusammengehen Europas vorstellen:

Westlich-angelsächsisch globalisiert und zusammengeschweisst auf den kleinsten gemeinsamen kulturellen Nenner. Ein europäisches Wahlvolk als hedonistisches und geschlechtlich vielseitiges Schlager-Pop-Publikum.

 

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About valjean72

Ein Ostbayer in der Westschweiz Als gebürtiger und bekennender Oberpfälzer, der einst in Sachsen studierte, lebe ich nun mehr seit einigen Jahren im französischsprachigen Teil der Schweiz, in der Romandie. Ich hatte mich seinerzeit bewusst für diese Schweizer Region entschieden, da ich meine Französischkenntnisse auch beruflich anwenden und letztlich ausbauen wollte. Der Anlass zu diesem Blog lässt sich unschwer an meinen Beiträgen und auch am Gründungsdatum ablesen. Maßlos enttäuscht über die Berichterstattung in unseren etablierten Medien, Russland und die Ukraine betreffend - eine Berichterstattung, welche sich mir zunehmend als konzertiert propagandistisch darstellte - entschloss ich mich einen Blog anzulegen (dass meine Frau russisch spricht und vor nicht all zu langer Zeit ein Jahr auf der Krim verbrachte, hat sicherlich dazu beigetragen mich speziell für dieses Thema zu sensibilisieren). Der Hauptaspekt liegt für mich darin, alle Informationen und weiterführenden Links, die ich bisher für das Verfassen von Leserkommentaren (zumeist bei ZEIT-Online) im Internet fand, an einem Ort zu bündeln, um schnellen Zugriff darauf zu haben. Daneben ist es mir auch wichtig, dass mir nahestehende Menschen einen Einblick über Dinge bekommen, die mich bewegen und wie im Falle der Ukrainekrise auch von enormer Bedeutung für die zukünftige Entwicklung auf unserem Kontinent sind.

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