„Last Whites of the East End“ – Die letzten Weißen des East End von London

Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt des Vereinigten Königreichs (Großbritanniens) – die BBC – strahlte am 24. Mai eine Dokumentation mit folgendem Titel aus:

„Last Whites of the East End“

Mit „East End“ versteht man mehrere Großstadtbezirke im Osten und Nordosten Londons. Schwerpunkt der Sendung bildet hierbei der Bezirk Newham, der sich seit Anbeginn der Industrialisierung Englands, sprich seit über 200 Jahren, aus Familien der englischen (Londoner) Arbeiterklasse zusammensetzte.

Die massenhafte Zuwanderung aus Asien und Afrika in den letzten 15 Jahren hatte als Ergebnis, dass die angestammten weißen Briten immer mehr zu einer von vielen Minderheiten geworden sind. Dies beschleunigt nun den Prozess der sogenannten „white flight“, der Flucht der Weißen. Allerdings sind es nicht nur Abkömmlinge der angestammten Londoner Arbeiterfamilien, die ihre Heimat verlassen und dem Bezirk den Rücken kehren, auch für integrierte Briten mit Migrationshintergund ist Newham zu unsicher, zu fremd und schlicht zu unbritisch geworden.

Nachfolgend die Beschreibung auf englisch zu dieser Dokumentation von der Homepage der BBC:

2016-05-00 bbc beschreibung 01 gross

(Quelle: www.bbc.co.uk, 24.05.2016)

 

In einem Trailer im Vorfeld zu dieser Sendung wurde folgende Graphik eingeblendet, die die ethnische Zusammensetzung von Newham zeigt:

2016-05-14 metro.co.uk Graphik

(Quelle: http://metro.co.uk, 14.05.2016)

 

Weiße Briten und andere Weiße machen zusammen nur mehr 29% der Bevölkerung von Newham aus. Der „Rest“ setzt sich zusammen aus Menschen, die von ausserhalb Europas nach London kamen, allen voran aus Indien, Afrika, Bangladesch und Pakistan.

Die Daten von obiger Graphik entstammen einer Veröffentlichung der Universität von Manchester aus dem Jahr 2013. In dieser akademischen Arbeit wurde die Bevölkerungsentwicklung in Hinblick auf ihre ethnische Zusammensetzung von 1991 über 2001 bis 2011 untersucht:

 

2013-10-00 University of Manchester - ethnicity.ac.uk

Figure 1. Increased ethnic diversity in Newham, 1991-2011″ (Quelle: University of Manchester, www.ethnicity.ac.uk, Oktober 2013)

 

Die letzten Daten dieser Studie sind demnach bereits fünf Jahre alt. Es ist davon auszugehen, dass sich die Entwicklung fortgesetzt hat und die aktuellen Zahlen eine weiteren Rückgang des Anteils weißer Briten aufzeigen. Deren Anteil betrug im Jahr 2011 nur mehr 17%:

2013-10-00 University of Manchester - Bevölkerungsanteil weisser

(Datenquelle: University of Manchester, Oktober 2013)

 

Dem Papier der Universität von Manchester ist eine Kurzzusammenfassung vorangestellt. Darin wird festgehalten, dass – trotz der maßenhaften außereuropäischen Zuwanderung seit 1991 – die „Weißen Briten“ mit 17% Bevölkerungsanteil nach wie vor die größte ethnische Gruppe in Newham bilden.

Für mich klingt das wie das berühmte „Pfeifen im Walde“, welches Selbtsgeswissheit verleihen soll, dass alles noch in – mehr oder weniger – bester Ordnung wäre.

 

2013-10-00 University of Manchester - ethnicity.ac.uk summary 1

(Quelle: University of Manchester, www.ethnicity.ac.uk, Oktober 2013)

 

Ebenso folgender Absatz aus besagter Kurzzusammenfassung:

2013-10-00 University of Manchester - ethnicity.ac.uk summary 2

(Quelle: University of Manchester, www.ethnicity.ac.uk, Oktober 2013)

 

Demnach hätten neue Datenerhebungen aus dem Jahr 2011 ergeben, dass Newham keineswegs weniger britisch geworden wäre. Denn es gäbe mehr Menschen, die eine britische, bzw. englische nationale Identität angeben, als es Menschen gibt, die eine „britisch-weiße“ Identität angeben.

Also, wie gehabt alles in bester Ordnung. Weiße Briten werden durch Zuwanderer aus Asien und Afrika ersetzt, die sich sodann als Briten fühlen und den britischen Charakter von Stadtteilen und ganzen Kommunen weiterführen. Das ist natürlich reiner Blödsinn.

In der BBC-Dokumentation wird von den verbliebenen Ureinwohnern Newhams explizit das Verschwinden althergebrachter Traditionen beklagt, wie z.B. das festliche Schmücken des öffentlichen Raumes zur Weihnachtszeit.

Nachfolgend drei Graphiken zur Verteilung der drei größten Minderheiten (nach der, der weißen Briten selbstverständlich) in Newham und den umgebenden Londoner Bezirken:

2013-10-00 University of Manchester - ethnicity.ac.uk figure 2 a indian group

Figure 2. Geographical distribution of Newham’s largest ethnic minority groups across East London by ward, 2011″ (Quelle: University of Manchester, www.ethnicity.ac.uk, Oktober 2013)

 

2013-10-00 University of Manchester - ethnicity.ac.uk figure 2 b african group

Figure 2. Geographical distribution of Newham’s largest ethnic minority groups across East London by ward, 2011″ (Quelle: University of Manchester, www.ethnicity.ac.uk, Oktober 2013)

 

2013-10-00 University of Manchester - ethnicity.ac.uk figure 2 c bangladeshi group

Figure 2. Geographical distribution of Newham’s largest ethnic minority groups across East London by ward, 2011″ (Quelle: University of Manchester, www.ethnicity.ac.uk, Oktober 2013)

 

Die „Daily Mail“ veröffentlichte einen Beitrag zur Dokumentation der BBC.

2016-05-21 dailymail 00

(Quelle: dailymail.co.uk, 21.05.2016)

 

Der Tod des Cockney: Ein BBC-Film, „Last Whites Of The East End“, enthüllt die seismischen Auswirkungen der Massenmigration auf britische Kommunen – und wie so oft, sind es  ethnische Minderheiten, die darüber am meisten besorgt sind.

 

2016-05-21 dailymail 01

(Quelle: www.dailymail.co.uk, 21.05.2016)

 

 

Usmaan Hussain, ein junger Familienvater mit familiären Wurzeln sowohl im historischen East-End, als auch in Bangladesch, äussert sich folgendermaßen:

‚Everything this area stood for is being eradicated slowly but surely,’ says this proud, sad fifth generation East Ender. ‘In ten years’ time, there’ll be absolutely no trace of Cockney culture.’ …

„Alles wofür diese Gegend stand, wird ausgelöscht werden, langsam aber stetig“, sagt dieser stolze und traurige East-Ender der fünften Generation. „In einem Zeitraum von zehn Jahren wird es absolut keine Spur von Cockney -Kultur mehr geben“…

(Quelle: www.dailymail.co.uk, 21.05.2016)
(Anmerkung: „Cockney“ ist ein berühmter und regionaler englischer Dialekt, der in bestimmten Teilen Londons gesprochen wird. Er gilt/galt als typisch für Vertreter der Londoner Arbeiterklasse)

 

Usmaan Hussain

(Usmaan Hussain, Screenshot aus „The Last Whites of the East End“)

 

(33:31) If you see a school picture [from the postwar period], there was 98% white English children. Now you look at the latest picture – oh my God: … is this a school from Africa or from Romania?

Wenn man ein Klassenfoto [aus der Nachkriegszeit] betrachtet, dann waren 98% weisse, englische Kinder. Jetzt, wenn man das neueste Klassenfoto ansieht – Oh mein Gott: … ist das eine Schule in Afrika oder Rumänien?

Usmaan Hussain, „The Last Whites of the East End“

 

Der Busfaher Tony Cunningham, Sohn einer alteingesessenen East-Enderin und eines Jamaikaners wird Newham verlassen, weil er seiner kleinen Tochter nicht zumuten will hier auf die Schule zu gehen.

 

Charlotte can’t go to these schools. These schools will make her lose her identity!

Zitat von Tony Cunningham

 

2016-05-21 dailymail 04

(Quelle: www.dailymail.co.uk, 21.05.2016)

 

‘People who haven’t been back here for many years say: “I can’t believe what’s happened here.”

‘They come out of Upton Park station and [say]: “I could be in Baghdad.”’

‚Menschen, die einige Jahre nicht wieder hier waren sagen dann: „Ich kann nicht glauben was hier passiert ist.“

‚Sie kommen aus der Upton-Park-Metro-Station und [sagen]: „Ich könnte in Bagdad sein.“‚

Peter Bell, 66 – Betreiber des „East Ham Working Men’s Club“

 

dailymail pic - Peter Bell

(Quelle: www.dailymail.co.uk, 14.05.2016)

 

‚I hear words like multiculturalism and community and I think it’s nonsense. We are in an area that has massive unemployment and that is about to become overcrowded and you feel ostracised.

‚People feel like they are being forced out. I moved to Hornchurch 12 years ago and I don’t regret it one bit.‘

Ich höre Worte wie Multikulturalismus und Community, und ich denke, es ist Unsinn. Wir sind in einem Gebiet, das massive Arbeitslosigkeit hat und das dabei ist überfüllt zu werden und man fühlt sich ausgegrenzt.

Die Leute fühlen sich, als ob sie gewaltsam vertrieben werden sollen. Ich zog vor 12 Jahren nach Hornchurch und ich bereue es nicht ein bisschen. 
Peter Bell, 66 – Betreiber des „East Ham Working Men’s Club“

 

Darren Loveday, 29, ein lokaler Boxchampion wuchs in Newham auf, ist aber bereits wie viele andere nach Essex weggezogen. Auf der Schule war er der einzige weisse Junge und durch die Konfrontationen, die er dadurch erlebte, entschied er sich mit dem Boxen anzufangen.

2016-05-21 dailymail 05

(Quelle: www.dailymail.co.uk, 21.05.2016)

 

We see the fifth-generation Oakman family reduced to tears, as daughter Leanne and her young family prepare to follow the well-worn route out of the East End and over the border into Essex where her children can grow up ‘with their own people’.

Wir sehen die Oakman-Familie (East-Enders in der fünften Generation) in Tränen aufgelöst, als Tochter Leanne und ihre junge Familie sich dazu aufmachen, die altbekante Route aus dem East-Eand hinaus nach Essex zu folgen, wo ihre Kinder ‚unter ihren Leuten‘ aufwachsen können.

(Quelle: www.dailymail.co.uk, 21.05.2016)

 

2016-05-21 dailymail 06

(Quelle: www.dailymail.co.uk, 21.05.2016)

 

It all started about 10 years ago, but it’s worse now. It seems like there’s been even more quick changes in the past year and everything is different. 

Alles begann vor etwa 10 Jahren, aber jetzt ist es noch schlimmer. Es scheint, dass es  im vergangenen Jahr noch schnellere Änderungen gab und nun alles anders ist.

Eileen Kerslake, 88.

 

 

dailymail pic - Eileen Kerslake

(Quelle: www.dailymail.co.uk, 14.05.2016)

 

In einer Szene sieht man Eileen Kerslake mit ihrer Freundin in einem öffentlichen Bus. Sie sind dabei die beiden einzigen weißen Passagiere.

screenshot the only two white people

(Screenshot aus „Last Whites of the East End“)

 

Und nun zwei Bilder aus vergangenen Tagen

2016-05-21 dailymail 02

(Quelle: www.dailymail.co.uk, 21.05.2016)

 

 

2016-05-21 dailymail 03

(Quelle: www.dailymail.co.uk, 21.05.2016)

 

Zum Abschluss das Video zur Dokumentation der BBC (auf englisch, ohne Untertitel)

 

Nachtrag:

Um einen Eindruck über das Stimmungsbild im Leserkommentarbereich von dailymail.co.uk zu geben, stelle ich hier ein paar Originalkommentare hinein.

Zunächst vierzehn, die die Kernbotschaft der BBC-Doku mittragen und anschließend sieben Einlassungen der Gegenseite. (Anmerkung: Die Abbildung dieser Leserbeiträge bedeutet nicht zwingend, dass ich vollumfänglich mit den Inhalten der Pro-Seite einverstanden bin)

comment 01

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Leserkommentare aus einem anderen Artikel zum selben Thema:

comment 12

comment 13

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Und nun sieben Kommentare der Gegenseite:

comment 15 n

comment 16 n

comment 17 n

comment 18 n

comment 19 n

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comment 21 n

 

Verwandter Blogbeitrag:

Hintergründe zur Masseneinwanderung (4) Der große Austausch

 

 

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About valjean72

Ein Ostbayer in der Westschweiz Als gebürtiger und bekennender Oberpfälzer, der einst in Sachsen studierte, lebe ich nun mehr seit einigen Jahren im französischsprachigen Teil der Schweiz, in der Romandie. Ich hatte mich seinerzeit bewusst für diese Schweizer Region entschieden, da ich meine Französischkenntnisse auch beruflich anwenden und letztlich ausbauen wollte. Der Anlass zu diesem Blog lässt sich unschwer an meinen Beiträgen und auch am Gründungsdatum ablesen. Maßlos enttäuscht über die Berichterstattung in unseren etablierten Medien, Russland und die Ukraine betreffend - eine Berichterstattung, welche sich mir zunehmend als konzertiert propagandistisch darstellte - entschloss ich mich einen Blog anzulegen (dass meine Frau russisch spricht und vor nicht all zu langer Zeit ein Jahr auf der Krim verbrachte, hat sicherlich dazu beigetragen mich speziell für dieses Thema zu sensibilisieren). Der Hauptaspekt liegt für mich darin, alle Informationen und weiterführenden Links, die ich bisher für das Verfassen von Leserkommentaren (zumeist bei ZEIT-Online) im Internet fand, an einem Ort zu bündeln, um schnellen Zugriff darauf zu haben. Daneben ist es mir auch wichtig, dass mir nahestehende Menschen einen Einblick über Dinge bekommen, die mich bewegen und wie im Falle der Ukrainekrise auch von enormer Bedeutung für die zukünftige Entwicklung auf unserem Kontinent sind.

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